Wiederholtes Sein

Zum Bild: Postkarte bei meiner Freundin G. in B., 30.8., Filmstill: Al Pacino in Serpico, USA 1973, R.: Sidney Lumet.

Zum Titel: Identität ist "wiederholtes Sein". In: James Clear, Die 1% Methode. Minimale Veränderung, maximale Wirkung. München 2020, S. 54.

„Ich bin wie ein Baby!“,
erkenne ich nach einem Besuchswochenende im August. „Brauche Schlaf nach Überreizung.“ Obwohl viele Babys aus Schutzgründen vor Überforderung ja in jeder Situation und Umgebung schlafen können. Im Erwachsenenalter nennt man das Narkolepsie. Weniger wünschenswert.

„Schilddrüse“ statt „Querflöte“
Einen Kontrollverlust anderer Art erfahre ich einige Tage später: Es ist lediglich ein Versprecher aus heiterem Himmel, der mich aufgrund seiner Unmittelbarkeit erschreckt, statt mich wie sonst zu erheitern.

„I’m the queen of masking!“
Nach meinem ersten Kunstkurs nach den Sommerferien (26.8.) in einer neuen DaZ-Klasse, den ich angesichts einiger aufgedrehter SuS mit Papierhüten auf dem Kopf nur mit Müh‘ und Not überstehe, treffe ich im Flur auf L., einen meiner ehemaligen Schüler mit Autismusspektrumsstörung. Mit Gehörschutzkopfhörern ausgestattet, empfiehlt er mir ein Buch (s.o.), in dem es um die Änderung von Gewohnheiten geht. „Dich schickt der Himmel!“, sage ich zu ihm. Zu Hause breche ich weinend an Ts Hals zusammen: „Ich kann das nicht mehr machen!“

„Immer mit der Ruhe!“,
rät mir ein besonnener Busfahrer und vermag es, meine stressbedingte Hirnblockade zu lösen. Bin nachhaltig berührt. „Hilft wirklich!“, meint er später an der Endhaltestelle beim Aussteigen. „Und wissen Sie, wer mir das gesagt hat?“ Bedeutungsvolle Pause. „Buddha! Müssen Sie mal lesen!“ Ich: „Hab‘ ich schon, aber so weit wie Sie bin ich noch nicht!“ Wir verabschieden uns lachend und wünschen uns alles Gute.