Mein eigenes kleines Zimmer

Als Kind stellte ich mir vor, wichtelgroß in einer Straßenlaterne zu wohnen. Eine Laterne in unserer Straße hatte ich mir ausgeguckt und malte mir aus, wie gemütlich und heimelig es durch das warme Licht darin wäre.

Aufzeichnungen zur Sitzung bei N. am 20.10. (1):

Aus dem “Im-Schwange-Sein” zum Thema der letzten Sitzung – vergessen! Weißer Fleck (2) – haha! Ich bekomme leichte Kopfschmerzen. Blicke ziellos umherwandern lassen. Sitzposition nicht angenehm. Die Veränderung derselben und die Äußerung meiner Befindlichkeit scheinen banal, sind sie aber keineswegs! Starkes Berührtsein! Tränen. Ich in meinem eigenen kleinen Zimmer : mein Stuhl steht in ca. 2 m Abstand zu N. auf einem Teppich, meine Füße berühren den festen Holzboden. Ich kann N. ansehen und habe gleichzeitig die Möglichkeit, bei Bedarf aus dem Fenster zu schauen. Bin bei mir und gleichzeitig in Kontakt. Rauschen. Tränen. Mein Kopf ist leer. Ein wundervoller Zustand! Während der Meditation in letzter Zeit nie erreicht! Ich habe keine Lust, nachzudenken. “Es ist mir wurscht…!” Lachen. Tiefe Sehnsucht nach Ruhe im Geist. Tränen. Weise darauf hin, dass dies sicherlich ein allgemein menschliches Bedürfnis sei. Gängiges Muster, mein Empfinden zu verallgemeinern und dadurch zu bagatellisieren. Gängiges Muster, Schmerz wegzudrücken, der durch Erinnerung aufflammt. Wehre mich gegen Therapieklischee “voll abzugehen”. Aber: wie T. später sagt: Embrace your fear!

Erinnern. (3) Sicherheit durch Fühlen meines Schlüsselbeinknochens. Knochen sind das Härteste im Körper. Knochen geben Halt. Erinnern. Plötzliche Halsschmerzen. Zarte Berührung meiner zwei Finger in der Kuhle unter dem Kehlkopf lindert. Wegdrücken. Lücke bleibt. Einzug ins Zimmer vollzieht sich in Etappen (N. geht theoretisch auf den “weißen Fleck” ein, es bleiben nur Bruchstücke haften). “Zum Glück ist die Sitzung beendet!” Lachen. Es war sehr intensiv, sehr erkenntnisteich, sehr heilsam. Als ich mich mit wackeligen Beinen erheben will, fliegt ein kleiner Vogel gegen die Scheibe. Kurzer Schreck. Nix passiert. Ich blicke erneut aus dem Fenster: eine große schwarze Krähe hockt auf der Balkonbalustrade, schaut mich mit schiefem Kopf direkt an, bedrohlich. Schockweinen! Angst! Absurd!!!

Am Ende Auflösung ins Positive. Alles ist verbunden!

1: z. Zt. in AUR; zwischen der intensiven Sitzung und dem starken Bedürfnis, sofort das Erlebte aufzuschreiben und dem jetzigen Zeitpunkt der Aufzeichnungen liegen gefühlte Welten (Zeiten, Orte, Erleben).

2: vgl. Artikel vom 28.9.

3: Erinnertes Zitat aus Hanekes Film Liebe: "Interessant: ich sah als Junge einen Kinofilm, der mich zum Weinen brachte. Als ich davon erzählte, weinte ich noch mehr, so als würde sich das Gefühl durch die Erinnerung verstärken." (o.s.ä.)