
Zur Zeichnung: Morgenzeichnung "blind" nach einer Radierung von Behrendt (Künstlerfreund einer Freundin), 1.10.

Zur Zeichnung: Morgenzeichnung "blind" nach einem Portrait von Hockney, 2.10.

Zur Zeichnung: Morgenzeichnung "blind" nach einem Portrait von Warhol, 5.10.
13.10.
„Ihr könnt mir ja einen Verschlag bauen – oben auf einem Berg. Oder nein, besser ein Baumhaus! Da bin ich vor Menschen geschützt.“, schlug ich T. gestern mit unheiterer Stimme vor. Erschöpft(er !) war ich nach einem Treffen mit meinem Freund T.S. aus der Stadt zurückgekehrt. Ausgeliefert zwischen an mir vorbei wabernden Menschenmassen wartend, dann dank T.S.s und meines gleichtickenden, overwhelmenden SoSeins Zuflucht in einem Suppenlädchen gefunden, das sich in einem nahezu menschenleeren Innenhof befand, wo wir statt Suppe eine Limo zu uns nahmen und ich beinahe weinen musste.
Zu Hause „in Sicherheit“ sagte ich T.: „Es wird schlimmer, glaube ich.“ Zum Glück erkannte ich zwei Tage später, dass zur noch extremeren Dünnhäutigkeit neben vorherigem „Zuviel“ auch hormonell bedingte Umstände beitrugen. Hatte ich glatt vergessen.
Vorheriges „Zuviel“:
3.10.
Während eines Treffens mit unseren netten Hausnachbarn bei Sonnenschein im Garten muss ich die Kaffeetafel frühzeitig verlassen, weil ich komplett überfordert von mehreren gleichzeitig stattfindenden Gesprächen bin. „Ich kann das nicht mehr!“
Abends is(s)t ein echter buddhistischer Mönch bei uns, der sich mit ADS auskennt und in meinem hochsensiblen Fall Gutes zu sagen weiß. Vielleicht sehen wir ihn im nächsten Jahr auf Gomera in einer Höhle wieder.
5.10.
Ein frühmorgendlicher, kurzer Disput mit meinem Sohn zerrockt mich beinahe für den Rest des Tages.
6.10.
Ein mobiler Apfelsaftpressbetreiber verunsichert mich aufgrund seines nichtfreundlichen Seins nachhaltig.
7.10.
Meinen Kunstkurs absolviere ich brav und zugewandt am Morgen. Am späten Nachmittag nehme ich wacker an einer Baumbestandsaufnahme im Dorf teil und nehme ironisch-heitere Aussagen ernst.
8.10.
Meine zwei Deutschkurse gebe ich mit Hingabe (den ersten) und Engagement (den zweiten).
9.10.
Vormittags engagiere ich mich flott, aber erschöpft für unser Wohnprojekt. Nachmittags folge ich tapfer einer Einladung zu einem Filmfestival für KünstlerInnen und wage mich raus in die Stadt. Bin bereits zu Beginn bewegt von intensiven Einblicken in das Leben meiner lieben Nachbarin K., die sie mir auf der zwanzigminütigen Busfahrt gewährt. Empfinde mich „fremd“ zwischen den anderen Frauen. Bin sehr bewegt vom ersten Dokumentarfilm über die Künstlerin Mary Bauermeister, der Frau des Komponisten Karlheinz Stockhausen (1). Esse Suppe, um nicht zu unterzuckern, verlasse vorzeitig das Festival und fahre nach Hause, werde auf den letzten Metern bis auf die Knochen nass vom Regen.
1: Mary Bauermeister - Eins und eins ist drei. D, 2020, R.: Carmen Belaschk.