“Ein Zimmer für sich allein”

Selbstgemalte Postkarte an K. von L., K. und A. August 2017

Es ist so selten, daß ich ein paar Stunden für mich selbst habe (1).

31.8.:

Die Schulferien sind bald um. J. ist seit gestern wieder im Kindergarten. In den 6 Wochen war ich 4x für ca. je 2 Stunden, gestern für ca. 4 ohne Kinder. Auf Schiermonnikoog malte ich, in HH radelte ich, vor einer Woche nahm ich am HSP-Kurs teil, gestern putzte ich (- ein bescheidener Beitrag, um Kultur zu retten).

In den 6 Wochen war ich ziemlich häufig überfordert, überforderte mich,

6.9.:

wünschte ein Zimmer für mich allein (einmal hockte ich mich, vor Erschöpfung weinend, unter die Dachschräge hinter meine paar verbliebenen Bücher – ich habe nach und nach eine unfassbare Menge aussortiert -, dazu an anderer Stelle mehr…). Fragmente schwirren hin und her, wollen sortiert und veräußert werden.

Kommt Zeit, kommt Rat

(Märchenonkelschallplattenstimme).

Zum Titel: Virginia Woolf, Frankfurt am Main 1986.

1: Craven, Margaret: Ich hörte die Eule, sie rief meinen Namen. Hamburg 1989, S. 138. 
Das Buch über einen todkranken jungen Geistlichen, der als Seelsorger in ein entlegenes, kanadisches Indianerdorf geschickt wird, las ich im Alter von vielleicht 13 Jahren. In AUR fiel es mir wieder in die Hände und wurde die passendste Lektüre für das Draußenleben im Zelt auf Schiermoonikoog. 
Die einfache, poetische Sprache erzählt von für mich wesentlichen Dingen, z.B.:

S. 132:
 ..., weil hier der einzige Ort ist, wo ich meiner selbst sicher bin.

S. 139: 
In einer Welt, in der die Menschen eine künstliche Nebelwelt zwischen sich und dem Wesentlichen errichteten,...

S. 142:
 Als er ins Dorf gekommen war, hatte die Zukunft wie ein dunkler Berg vor ihm gestanden. So viel musste bedacht, so viel gelernt werden. Dann hatte die Gegenwart ihn vollständig in Anspruch genommen - jeder einzelne Tag mit all seinen Aufgaben; nie hatten die Stunden ausgereicht. Inzwischen hatte die Zeit ihre Konturen verloren. Ihm war, als sähe er die Zeit jetzt so, wie der Rabe oder der kahlköpfige Seeadler, wenn sie hoch über dem Dorf kreisten, den Fluß sehen - ein einziges, fließendes Band. 

S. 144: 
"Marta, eben ist etwas ganz Merkwürdiges passiert. Ich hörte die Eule meinen Namen rufen, unten am Fluß." Es klang wie eine Frage,auf die er eine Antwort erwartete. Sie sagte nicht: Unsinn, es war mein Name, den die Eule rief. Ich bin alt und bei mir ist es nicht schlimm. Sie sagte auch nicht: Ja, es stimmt, Sie sind auffallend mager und bleich, aber wer ist das nicht? Denken Sie nicht weiter darüber nach. Den Löffel noch in der Hand, drehte sie sich um, hob ihr liebes, gutes, von unzähligen Runzeln durchzogenes Gesicht und beantwortete seine Frage, wie sie jede Frage beantwortet hätte. Sie sagte: "Ja, mein Sohn."

Anmerkung: An diesem Zitat berühren mich die Worte der alten Indianerin Marta, die nicht ausweichend oder beschönigend sind, sondern direkt und zugewandt. Solch' ein Umgang ist immer wünschenswert- egal, in welchen Zusammenhängen, seien sie auch weniger bedeutend.