„Wie Phönix aus der Tasche“

Zu den Zeichnungen: Arbeiten vom letzten Kurstag bei Gosia Machon Die eigene Perspektive in HH, 17.4.26.
Das windschiefe Format des Packpapieres fand ich so vor und nutzte es für die Warming-Up-Aufgabe abstrakter Emotionswahrnehmung und die intuitive Bildentsprechnung zur Frage: Wie fühle ich mich heute?/ Wie nehme ich die Welt wahr?
Rosa Tulpen, die ich N. abends zuvor schenkte, waren vermutlich der Grund für meine eher untypische Farbwahl.
Gosia riet mir bei der anschließenden Besprechnung zu Passepartouts für meine kleinformatigen, oft zarten Arbeiten. 

Zum Titel: Versprecher meinerseits im Gespräch mit meinem Sohn, 24.4.
Gosia äußerte die bekannte Redewendung (ohne "T") nach Betrachtung meines grünen Kindes (vgl. Malerei vom 7.4.). Sie passt auch zur letzten Zeichnung der folgenden Reihe, siehe weiter unten.

Gestern:
Ich sitze nach zwei meiner gegebenen Kurse an einem beinahe geschützten Platz in der Ecke unserer Terrasse und nähe Löcher in Kleidungsstücken zu. Ich bin kraft- und mutlos, überstülpt. Dies bereits seit geraumer Zeit, manchmal durchbrochen von kleinen Lichtblicken (glücklicherweise). Vorherrschend jedoch der Hund. Habe Sorge, dass er bleibt. Sorge, dass es mich weiterhin soviel Anstrengung kostet, den Alltag, meine Jobs zu meistern. Am Morgen noch hatte ich T. verzagt von meinem letzten Kunstkurs berichtet, der mich des Nachts nicht gut schlafen und an meiner „Profession“ zweifeln ließ. Nachmittags lese ich in einem Apothekenkäseblatt: „Arbeit ist mehr als Erwerbstätigkeit, sie ist auch Identität.“ Wie wahr und wie lange schon mein Thema!
„Was tun?“ Überfordernde Suche im Netz nach geeigneter, bezahlter (!) Arbeit für mich Tage zuvor. Alles fühlt sich falsch an.

Zum Foto: Aus meinem kleinsten Skizzenbuch, 22.4.26.

Dann gestern (s.o.): Ich sitze draußen, umgeben von gleißendem Sonnenlicht und Vogelgezitscher und nähe still. Unvermittelt ergibt alles Sinn. So als hätte ich alles zusammengenäht, was zusammen gehört! „Ein glücklicher Moment!“, so T. später. „Eine Erleuchtung!“, so ich.
War es die Rosenmethode, die Elke Mark zum dritten Mal an mir als Klientin tags zuvor anwandte, die mich „zu mir“, mich wiederfinden ließ? Ihre Hebammentätigkeit?
Und hatte ich an diese Gosias Hebammentätigkeit genäht, die durch ihre Art der Vermittlung mein Kunstschaffen erweckte?
Und an diese die heute vollendete, 773seitige (!) Seneca-Lektüre (seit Juli ’25 jeden frühen Morgen, mit Unterbrechnungen), die mir Erkenntnisse schaffte, die sich nun in Handlungen umwandeln lassen? (1)
Und waren bereits lange zuvor die Lektüre von Rick Rubins Kreativ. Die Kunst zu sein (2), auch von Gosia im Kurs erwähnt, die Lektüre von Ungerers Es war einmal mein Vater (3) etcetcetc. Teile der Patchworkdecke? Kitschiger Vergleich eigentlich, aber auch irgendwie schön!

1: Aus: Seneca, Briefe an Lucilius, a.a.O, Ditzingen 2025, S.566:
Das ganze Leben stolpern wir dahin, halten aber keineswegs inne oder setzten unsere Schritte vorsichtiger (Anm.: Doch!). Du siehst aber, was für ein wahnwitziges Verhalten das Vorwärtsstreben in der Finsternis ist. Doch wir verhalten uns wahrhaftig so, dass man uns eine weite Strecke zurückrufen muss, und wenngleich wir nicht wissen, wohin wir uns treiben lassen, eilen wir dennoch in der einmal eingeschlagenen Richtung weiter (Anm.: Nein!). Aber es kann Licht werden, wenn wir es wollen!

Anm.: Bei der Recherche im Archiv entdeckte ich just, dass ich genau diese Worte Senecas bereits in einem Artikel zitiert habe (vgl. Alles ein Prozess, 15.12.25.).

2: vgl.: Father and Daughter, 27.9.16.

3: vgl.: Rubin, 4.5.23.